Ein nachdenklicher Volker Kauder begeisterte

12.05.2017

Wo es keine Religionsfreiheit gibt, da gibt es auch keine Freiheit
Es gibt eine Zeit für den Wahlkampf. Und es gibt Gelegenheiten zu grundsätzlichen Standortbestimmungen über den Tag hinaus. Wie gut beides verzahnt werden kann, erlebten jetzt die rund 120 Zuhörer in der Schützenhalle des BSV Friedrichsfeld, aufmerksam bewirtet von der Frauen Union des Kreises unter Leitung der Vorsitzenden Anika Zimmer: Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, hielt als prominenter Referent ein mitreißendes Plädoyer für die Religionsfreiheit – behielt aber auch den Wahltermin am 14. Mai im Blick. Dabei stärkte Kauder der örtlichen Landtagskandidatin Charlotte Quik und den Christdemokraten in Nordrhein-Westfalen allgemein mit Blick auf die beiden CDU-Siege im Saarland und in Schleswig-Holstein den Rücken: „Ich bin guten Mutes, dass wir das 3:0 schaffen“ – dass die CDU also auch in NRW die Nase vorn haben wird. Nordrhein-Westfalen sei wunderschönes Land, die Menschen hier hätten zweifelsohne dieselben Fähigkeiten wie die in anderen Bundesländern. Dass NRW trotzdem auf den hintersten Plätzen lande, habe etwas mit der politischen Führung zu tun. Die naheliegende Schlussfolgerung des politischen Schwergewichts: „Die CDU muss wieder auf Platz eins kommen, nur so ist der Politikwechsel durchzusetzen“.Charlotte Quik schwor die Freunde ihrer Partei auf die dazu notwendige gemeinsame Kraftanstrengung ein: „Nur Lamentieren bringt uns nicht voran“, ermunterte sie zum  engagierten Endspurt im Landtagswahlkampf. Dass in der Wahlkabine die Entscheidung für die CDU ausfallen müsse, lag für Bundestagsmitglied und Kreisvorsitzende Sabine Weiss auf der Hand: „Der Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen ist notwendig. Wir haben die besseren Leute und das bessere Programm“. Ausgerichtet am christlichen Menschenbild. „Wir wollen Politik für die Menschen machen, so wie sie sind. Wir wollen die Menschen nicht umerziehen“, merkte später Volker Kauder an. Die CDU sei eine pragmatische Partei die Lösungen sucht und sich deshalb nicht für die Opposition eignet. Hingegen seien die Sozis mit ihrer ideologischen Aufstellung wie gemacht für die Opposition: Dort könnten sie super streiten – „es passiert ja nichts“.

Leider stehe es um Demokratie, Menschenrechte und Religionsfreiheit nicht überall so gut wie hierzulande, machte Volker Kauder in seinem Grundsatzreferat deutlich. Kenntnisreich bis ins Detail. Pointiert und leidenschaftlich im Vortrag stellte der Chef der Unionsfraktion fest: „Wo es keine Religionsfreiheit gibt, gibt es auch keine Freiheit“. Das müssten zurzeit vor allem die Christen erfahren, die weltweit unter dem stärksten Druck stünden. In den letzten drei, vier Jahren habe sich ihre Situation weiter verschlechtert, weltweit würden 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt. Und die Zahl nehme immer mehr zu. Überall dort, wo der Islam Staatsreligion ist oder wo die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch sei, sei die Lage besonders schwierig. Auch wo Religionen aus ideologischen Gründen unterdrückt werden, wie in China oder wie in Nordkorea – dem Land, das Volker Kauder auf Platz 1 seiner Weltkarte der Unterdrückung verortete. In Saudi-Arabien könne schon der Besitz einer Bibel oder eines Rosenkranzes ins Gefängnis führen; Missionsversuche seien mit der Todesstrafe bedroht. Anders begründet, aber nicht minder leidvoll sei die Verfolgung der Christen in Afrika. In Nigeria beispielsweise. In Ägypten, wo Gottesdienstbesuche für die Kopten lebensgefährlich sind – „und sie gehen trotzdem in die Kirchen“, schilderte Volker Kauder. Hochbrisant sei die Lage auch im Nahen Osten mit Syrien und dem Irak. Letztlich aber auch in der Türkei, wo mit dem Recht auf Glaubens- und Religionsfreiheit nicht weit her sei und wo das Land damit zeige, dass es von der christlich-jüdisch geprägten Wertegemeinschaft Europas noch Lichtjahre entfernt sei.

Wie also helfen? Auf diese angesichts beispielhaft geschilderter Einzelschicksale naheliegende Frage machte Volker Kauder klar: „Sonntagsreden helfen nicht“. Hilfe sei mit Lebensmitteln möglich. Mit schulischen Einrichtungen. Am Ende auch mit der schwierigen Entscheidung, Waffen an die Kurden zu liefern damit sich die Menschen gegen den IS wehren konnten. Helfen könnten außerdem auch klare Worte, in denen brutale Verfolgerstaaten auch als solche benannt würden. Denn das möchte kein Staatsführer von seinem Land lesen, weiß Kauder.

Er richtete den Blick auch ins eigene Land, in dem er eine mit rasanter Geschwindigkeit vorangehende Entchristianisierung beklagte. Dabei müsse doch allen bewusst sein, dass es keinen Platz für ein Vakuum gibt: „Wenn einer Platz macht, kommt ein anderer und stellt sich dorthin“.