Geschichte

Im Jahr 1945 war Deutschland durch sechs Jahre Krieg zerstört und lag auch moralisch in Trümmern.

Deutschlands Ansehen in der Welt war tief erschüttert. Niemand konnte erwarten, dass unser Vaterland bald schon wieder ein geachtetes Mitglied in der Gemeinschaft der Völker sein würde. Nur ganz wenige konnten sich vorstellen, dass aus der Not und dem Elend der ersten Nachkriegsjahre heraus sich ein beispielloses Wirtschaftswunder entwickeln würde. Es gehört zur Erfolgsgeschichte der Christlich Demokratischen Union, ausgehend von der 1. Bundesregierung unter Konrad Adenauer bis heute, in Kenntnis der Vergangenheit die Weichen für eine gute Zukunft gestellt zu haben.

Die Menschen am Niederrhein waren nach Kriegsende zunächst mit ganz persönlichen Problemen befasst. Aber schon bald fanden sich vom Christentum geprägte Frauen und Männer zusammen, um sich nach dem Scheitern der Weimarer Republik und der Katastrophe des Nationalsozialismus, einer Volkspartei neuen Typs anzuschließen, die trennende Gräben zwischen den Konfessionen zuschütten wollte.

Ausgehend von Initiativen in Berlin und im Rheinland fühlten vor allem viele ehemalige Mitglieder des Zentrums und der Deutschen Partei, dass die Parteienzersplitterung ein Ende haben musste, denn dies hatte mit zum Untergang der Weimarer Republik beigetragen.

In den ehemaligen Kreisen Dinslaken, Moers und Rees waren es Christdemokraten, die Verantwortung übernahmen, um den Menschen Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen. Einige bekannte Persönlichkeiten kamen aus dem jetzigen Kreis Wesel bzw. übernahmen Aufgaben im Kreisgebiet. Hier sind besonders zu erwähnen:

Heinrich Lübke
Der Bundespräsident (1959 – 1969) war von 1931 – 1933 als Vertreter des Zentrums im Preußischen Landtag. Die Nationalsozialisten betrieben die Entlassung aus allen Ämtern und nahmen ihn 20 Monate in Untersuchungshaft. 1945 trat er der CDU bei, war Abgeordneter im Landtag und von 1947 – 1952 Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nordrhein-Westfalen. 1953 kandidierte er im Wahlkreis Rees/Dinslaken für den Deutschen Bundestag und wurde im 2. Kabinett Adenauer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Franz Etzel
Der Bundesfinanzminister im 3. Kabinett Konrad Adenauer (1957-1961) wurde am 12.08.1902 in Wesel geboren und war von 1949 – 1953 für den Wahlkreis Rees/Dinslaken Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er dann wieder von 1957 – 1965 angehörte. Als Konrad Adenauer 1959 erwog, als Bundespräsident zu kandidieren, wollte er Etzel zu seinem Nachfolger machen, um Ludwig Erhard zu verhindern.

Kreisverband Dinslaken

Die Gründungsversammlung des CDU-Kreisverbandes fand am 21.11.1945 im Hotel Rosendahl statt. Die offizielle Zulassung der Partei durch die britische Militärregierung erfolgte am 29.01.1946.
1. Vorsitzender der Kreispartei war Arnold Verhoeven. Ihm folgten Willy Kahlert, Wolfgang Steigerwald, Franz Ommer und Karl Göllmann.

Kreisverband Moers

Am 28.08.1945 fand die Gründung des CDU Kreisverbandes im Konfirmandensaal in Moers statt. Die offizielle Zulassung durch die Militärregierung erfolgte am 11.02.1946. Zum 1. Kreisvorsitzenden wurde Ernst Holla aus Moers gewählt. Weitere Vorsitzende waren Hans Hebing, Eugen Serafim und Heinrich Clouth.

Kreisverband Rees

Nachdem sich in Wesel am 29.09.1945 ein Ortsverband der CDU gebildet hatte, fand am 2.12.1945 im Gemeindesaal an der Lauerhaaskirche die Gründung des Kreisverbandes statt. 1. Vorsitzender wurde Dr. Theodor Schneemann. Ihm folgten Dr. August Gessel, Erich Bohnekamp, Eduard Lensing und Heinrich Wolken.

CDU Kreisverband Wesel

SchmitzkDurch Beschluss des Landtages von Nordrhein-Westfalen wurden die bisherigen Landkreise Dinslaken, Moers und Rees zum 1. Januar 1975 aufgelöst. Teile dieser Kreise wurden dem Kreis Kleve bzw. der Stadt Duisburg zugeordnet. Die 13 Städte und Gemeinden Alpen, Dinslaken, Hamminkeln, Hünxe, Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg, Schermbeck, Sonsbeck, Voerde, Wesel und Xanten bildeten den neuen Kreis Wesel. Die CDU vollzog den Zusammenschluss bereits im Herbst 1974 und wählte am 28. Oktober Dr. Hans-Georg Schmitz aus Alpen zu ihrem 1. Vorsitzenden. Ihm folgten Günther Detert aus Wesel, Heinz-Peter Kamps aus Sonsbeck und Heinrich Meyers aus Hamminkeln. Seit dem 24. Mai 1997 ist Marie-Luise Fasse (Landtagsabgeordnete von 1995 – 2010) aus Rheinberg Vorsitzende des Kreisverbandes.

Struktur des CDU Kreisverbandes

Dem CDU Kreisverband Wesel gehören 13 Stadt- und Gemeindeverbände mit 44 Ortsverbänden an. Weiterhin bestehen auf Kreisebene 10 Vereinigungen, Sonderorganisationen und Arbeitskreise mit 56 Untergliederungen auf örtlicher Ebene. Der Kreisverband hat etwa 4000 Mitglieder, davon ca. 1000 Frauen.

Erinnerung an Heinrich Köppler (PDF-Download)

Heinrich Köppler stammt aus dem Rheingau. Nach HKdem Besuch der Volksschule in Oppenheim folgte er dem Beispiel seines Vaters, Landgerichtsdirektor Josef Köppler, und nahm das Studium der Rechtswissenschaften auf, das er mit Referendar- und Assessorexamen abschloss. Zwischen Schule und Studium lag noch Arbeitsdienst, ab 1943 Wehrdienst und dann amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Der Rheingau – seine Heimat Bereits vor Beginn seines Studiums begann Köppler seine
aktive, ehrenamtliche Tätigkeit in der katholischen Jugend, die das nachfolgende Jahrzehnt seines Lebens prägen und bestimmen sollte. Er wurde Bundesführer der dt. Kath. Jugend, Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendringes und 1954 Präsident des Weltbundes der Kath. Jugend. Nach seinem Ausscheiden aus der Jugendarbeit berief ihn die Deutsche Bischofskonferenz zum Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (1956– 1965).

Mit der Politik kam Heinrich Köppler 1946 durch den Eintritt in die CDU in Berührung. 1949
führte ihn sein beruflicher Werdegang zunächst zum Wirtschaftsrat der Bizone in Frankfurt. Noch im gleichen Jahre begann er als persönlicher Referent beim damaligen Bundestagspräsidenten Dr. Köhler. Mit dem Einzug in den Bundestag trat er 1965 als Generalsekretär des ZDK zurück und wurde schon zwei Jahre später parl. Staatssekretär im Bundesministerium des Innern. 1969 wurde er Vorsitzender des CDU Landesverbandes Rheinland und war damit einer der Nachfolge von Konrad Adenauer, dem ersten Landesvorsitzenden.

Heinrich Köppler galt in den 70er Jahren als einer der führenden Politiker der CDU im Bund und in Nordrhein- Westfalen. Er zählte zu den Vertretern der Kriegsgeneration, die sich aus christlichem Verantwortungsbewusstsein für den Wiederaufbau Deutschlands einsetzten. Er wurde zur integrativen Figur in den beiden CDU-Verbänden des Landes und war der unumstrittene Führer seiner um die politische Verantwortung im Lande kämpfende Partei. 1980 war er Spitzenkandidat bei der Wahl zum nordrhein-westfälischen Landtag. Am 20. April, drei Wochen vor dem Wahltermin, verstarb Heinrich Köppler im Beisein seiner Ehefrau Erika. Die Nachfolge als Oppositionsführer trat Kurt Biedenkopf an.

Heinrich Köppler definierte „Politik als Hochform christlicher Caritas, nämlich als Dienst am anonymen Nächsten“. Seine Verwurzelung im Glauben und die Bereitschaft zum leidenschaftlichen Engagement waren die Energie seines Lebens und Handelns. Mit ihr kam er auch als Redner mit Konzeptionen, als geschickter Makler bei der Lösung politischer Probleme, als scharfzüngiger, aber stets fairer Spitzenpolitiker in Hochform.

hksteinEine stilvoll von Steinmetzmeister Georg Weber gestaltete Namenstafel am Haus der CDU erinnert an einen aufrechten Menschen und Christdemokraten, der vielen Menschen unvergessen bleibt. In Anwesenheit der Witwe Erika Köppler (1996) erfolgte am 24.08.1984 die offizielle Namensgebung durch den damaligen Kreisvorsitzenden Dr. Hans-Georg Schmitz.